Labyrinth Reviews

Discover, Juni 1995

Drei Jahre haben sie gebraucht, um ein Album zu schaffen, daß ein absolutes Novum in der Musikgeschichte darstellt: The Fair Sex schrieben die erste Cyber-Opera. Die Titel des Albums sind einzelne Szenen und Momente der Geschichte, in der altbekannte Thematiken in ein Gewand verfrachtet werden: Tancer, der Hauptakteur, lebend im Jahre 2038, lehnt sich auf gegen die drohend wachsende Kontrollierbarkeit der Menschen seiner Zeit. Der Kampf gegen die geballte Mediengewalt der Organisation »Cyberbite« beginnt, als Joy Noise ihn in das Labyrinth führt, in dem über raffinierte Mechanismen Tancer zu seinem Electronic New Self mutieren soll… Das Album »Labyrinth« gibt die jeweiligen Stimmungen der Songs exakt wieder: neben dem rockigen »You Know How« mit Hitqualitäten, und dem hypnotischen »White Noise« sticht das orchestrale »Madadonia« heraus.

Intro, Mai 1995

Die Einsamkeit des Langstreckenläufers mag so manchen Gedanken ins Leben rufen; was aber wird ein Mensch empfinden, wenn er nachts einsam durch Cyberspace-City läuft? Die Selbstaufgabe nimmt Gestalt an, schlisst Freundschaft mit der Gewalt und verbündet sich mit den Geräuschen der Dunkelheit. Geboren wird ein nur schwer durchschaubares Gebilde namens »Labyrinth«. Liegt rhythmische Aggression vor, so fällt es unserem Langstreckenläufer schwer, sich im Irrgarten der Stadt zurechtzufinden. Die Architekten, auf deren Entwürfe hin Cyberspace-City aufgebaut worden ist, haben drei Jahre geplant, um der Metropole das Aussehen zu geben, das die Zukunft prägen wird: The Fair Sex sind wieder da und nicht nur das Mit »Labyrinth« haben die Mannen um Sänger Myk Jung eine Hymne an die Geschichte komponiert, die die Zukunft schreiben wird. Es mag keinen überraschen: Die kommenden Generationen werden es nicht leicht haben. The Fair Sex stellen das Leben nicht gerade im Einklang mit der Umwelt dar. Das Album ist einerseits experimenteller als die Vorgängerwerke des Quartetts, andererseits gradliniger. Während hier eine Opernsängerin auftaucht und dort mit akustischen Instrumenten hantiert wird, legen The Fair Sex derben Wert auf Rhythmik und Energie. »Labyrinth« ist ein Konzeptalbum, welches seinem Hintergrund gerecht wird. Die Musik passt sich den Emotionen an, mit denen der Held der Geschichte (Tancer) seine Existenz durchlebt. Leider ist wieder einmal nur wenig Ruhiges dabei, denn darauf fahre ich bei The Fair Sex voll ab. Insgesamt betrachtet sind und bleiben sie eine Ausnahme; EBM der Marke »Intelligent Cyber Rock«.

Manfred Thomaser

Neurostyle, Juli 1995

Nach dreijähriger Release-Pause warten The Fair Sex mit einem beachtenswerten Album auf – musikalisch und inhaltlich. Durch »Labyrinth« zieht sich ein roter Faden, der durch die Geschichte von Tancer führt, der im Jahre 2038 den Kampf gegen die übermächtige Mediengewalt von »Cyberbite« aufnimmt. Auf den ersten Blick ist »Labyrinth« sehr eingängig, beim längeren Reinhören wird man jedoch auf die Story und deren gefühlvolle Umsetzung aufmerksam, und einige Ecken und Kanten treten hervor. The Fair Sex schlagen teilweise auch für sie eher ruhige und ungewohnte Töne an, wie z.B. »In The Desert« oder orchestrale Töne wie »Madadonia«. Jedoch kommt auch der typische TFS-Sound nicht zu kurz. Beim Hören von »Labyrinth« kommt keine Langeweile auf, The Fair Sex beherrschen es, Spannung aufzubauen und diese geschickt wieder aufzulösen.

Der ersten limitierten Auflage liegt eine Bonus-CD mit 6 Live-Tracks bei, aufgenommen auf ihrern 93/94 Tour.

Kurz nach Veröffentlichung von »Labyrinth« erschien de erste Maxi-Auskopplung »You Know White Noise«. Auf ihr findet man die schon auf der CD befindlichen »You Know How« und »White Noise« im »pure joy mix«, sowie das auf der Bonus-CD befindliche »Shelter«. Als einzig neues findet man die »all for nothing« Version von »White Noise«, etwas experimenteller als das Original, aber insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig. Fazit: der Kauf des Albums lohnt sich auf alle Fälle, der der Maxi nicht unbedingt.

Hella Schrader

 

Zillo, Mai 1995

Wie im letzten Heft angekündigt, legen The Fair Sex mit »Labyrinth« ihr bislang bestes und gleichzeitig typischstes Album vor. Mit einem unglaublichen Druck preschen sie mit ihrer wilden Mischung aus Elektronik und Gitarren durch die Prärie. Die faszinierende Story um den Lethargiker Tancer krönt dabei das erste Konzeptalbum in über zehn Jahren Bandgeschichte. Ob bombastisch (»Madadonia«), rockig (»You Know How”) oder düster treibend («Cyberbite”, «White Noise”),  The Fair Sex bewältigen alle Übungen mit links und mit Bravour. Die entstehenden Spannungsbögen verzücken in jeder Sekunde. Gewissen Stücken kann man gar einen Suchteffekt nicht absprechen. »Labyrinth« ist andererseits das zerbrechlichste ihrer bislang fünf Alben, das man wie einen Schatz hüten muß. Geprägt von tiefen Gefühlen kann »Labyrinth« zu jeder Tages- und Nachtzeit den Hörer in unbekannte Hypnosezustände versetzen. Bitte mehr davon, und vielleicht lässt sich die dreijährige Pause kürzen, die sich The Fair Sex zwischenzeitlich gönnten.

Sven Freuen

New Life, Mai 1995

Endlich gibt es wieder mal was neues von der Ruhrpott-Gang The Fair Sex. Viel zu lang war die Zeit zwischen den Vorgängeralbum »Spell Of Joy«. Mit dem vorliegenden Album »Labyrinth« beweisen The Fair Sex jedoch einmal mehr, daß totgesagte länger leben. Wie Phoenix aus der Asche sind sie wieder auferstanden und schlagen uns eine Reihe von Elektro-Smashern mitten ins Gesicht. »White Noise«, der Opener der CD, zeigt auch gleich wo es langgeht, nämlich geradewegs in Richtung Tanzfläche. Die beiden Oberhammer der CD sind aber ohne Zweifel das Stück »You Know How«, das treibende Elektrobeats, harte Drums und den typischen The Fair Sex Sound miteinander verbindet und so den definitiven Nachfolgehit zu »No Excuse« oder »Bushman« darstellt. »Madadonia«, der zweite Anwärter auf die Pool-Position auf diesem Album zeigt eindrucksvoll, das The Fair Sex nicht nur hart, laut und schnell sind, sondern auch »heroische« Sounds fabrizieren können. Einmal gehört setzt sich der Song im Gehör fest und lässt einen nicht so schnell wieder los. Das besondere an »Labyrinth« ist für mich, daß The Fair Sex trotz des ganzen Crossovereinheitsbreis, der im Moment angesagt ist, ein typisches The Fair Sex Album geschaffen haben, dasß irgendwo sogar ein wenig Nostalgie beinhaltet. »Labyrinth« ist also das perfekte Album für Erinnerungen an die »guten alten Zeiten« und für einen packenden, heißen Frühling.

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