Divine Service Reviews

Prinz, April 1987
Ein guter Name ist die halbe Miete. The Fair Sex, das bleibt hängen, das läßt den Assoziationen freien Lauf. Dabei ist’s so einfach: The Fair Sex heißt »Das Schöne Geschlecht«. »Aber jede andere Deutung ist uns auch recht«, ergänzt Sänger Myk. Namen sind schließlich Schall und Rauch. Nicht so die Musik der fünf Essener: die kommt nämlich sehr kraftvoll und dynamisch rüber. Electric Dancefloor nennen sie, andere Zeitgenossen bevorzugen den Begriff »Black Wave«.
Erste Erfolge konnten sie auf dem Prinz PRINZ-Nachwuchsfestival im Oktober letzten Jahres verbuchen: Ihre eindrucksvoll-magische Bühnenpräsentation brachte ihnen den zweiten Platz ein. Und plötzlich stieg das Interessa an The Fair Sex.
Auftritte häuften sich und wurden mit Bravour gemeistert, und via »Last Chance«, das mit dem Invincible Limit ein musikalisch vwerwandtes Pferd im Stall hatte, ist soeben ihre Debüt-Maxi in die Plattenläden gelangt. Titel: »The Divine Service«.

Marabo, April 1987
Darauf muß man erstmal kommen: Dancefloorstücke für diese Gruftie/Leichenschänderdiscos zu spielen, immer schön Vierviertel mit den üblichen synthie-und Gitarrenbreitseiten und dem bedeutungsschwangeren Düstergesang, und dem Ganzen dann Poe-inspirierte Texte oder hochliterarische Dialoge zuzufügen, die beim dumpfen Abhoppeln eh keiner versteht. Früher hießen diese Bands Minotaurus oder Epidaurus, heute eben Fair Sex aus Essen.
Ihre neue Maxi »Divine Service« (Last Chance) ändert nichts daran, daß unsere Folklore offenbar »deutschrock« heißt, auch wenn sie sich als Dark Wave tarnt. Immer wieder die gleichen schweren Themen (Sex, Religion, Magie, Tod) – wie entsetzlich langweilig! Ich höre euren empörten Aufschrei, aber ich weiß, daß ich Recht habe.

BVB-Magazin, April 1987
»Gothic«-Musik aus Essen. »Divine Service« kann man sehr oft auf WDR 1 hören. Das ist die Platte, die so ein mysteriöses Intro hat. MYK JUNG spricht in bester Vincent Price Manier ein paar einleitende Worte. Dann »sprechsingt« der Frontmann mit einer Grabesstimme vom göttlichen Service – damit meint er aber nicht Boris Becker oder die Bedienung bei der großen Hamburger-Station. Es geht vielmehr um eine schwarze Messe, die mit hypnotischem Sound untermalt ist. Textlich bewegen sich die Jünger der »Black Wave« (Selbstbezichtigung: Electric Dancefloor) schwer im Magischen. Die Rückseite ist mit ihren zwei Titeln ebenfalls sehr hörenswert. Manche Konkurrenten werden beim Hören dieses Erstlings sicherlich vor Neid so grün wie mein Plattenexemplar.
(Volker’s BVB-Musik Magazin)

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